Julian Brandt von Social Werk im Interview: „Es gibt genug Fachkräfte, sie arbeiten nur gerade woanders“
Hamburg (ots) –
Knapp 100.000 Stellen im Handwerk blieben 2025 laut KOFA-Fachkräftestudie unbesetzt. Im Schnitt dauert es laut Bundesagentur für Arbeit 246 Tage, bis eine offene Stelle wieder besetzt ist. Julian Brandt, Gründer und Geschäftsführer der Social Werk GmbH aus Hamburg, arbeitet seit 2023 mit über 200 Partnerbetrieben genau an diesem Problem. Im Gespräch erklärt er, warum Betriebe am falschen Ort suchen, was er von Garantieversprechen hält und wo für ihn die Grenze von künstlicher Intelligenz in der Fachkräftegewinnung liegt.
Herr Brandt, Sie haben mit 18 Ihr erstes Unternehmen gegründet. Wie sind Sie beim Handwerk gelandet?
Das Handwerk hat mich schon von klein auf fasziniert. Alles, womit wir täglich zu tun haben, hängt am Ende daran: jedes Gebäude, jede Heizung, jedes Dach. In meinem Umfeld gab es viele Handwerker, und ich habe früh mitbekommen, wo es in den Betrieben hakt. Nicht bei der Arbeit selbst, die war immer gut. Es hakte bei dem, was nach außen sichtbar war. Da wusste ich: Genau dort kann ich etwas beitragen. Mit 18 habe ich mein erstes Unternehmen gegründet, mit dem festen Ziel, Handwerksbetriebe zu stärken. Diese Branche trägt unsere Wirtschaft, und sie hat es verdient, dass man sie wertschätzt.
Gab es einen Moment, an dem Sie gemerkt haben: Die Betriebe suchen am falschen Ort?
Ja, und diese Lektion habe ich ziemlich hart lernen müssen. Am Anfang war meine Aufgabe, Handwerksbetriebe authentisch nach außen darzustellen. Gute Inhalte, echte Einblicke, mehr Anfragen. Das hat funktioniert. Und dann musste einer meiner ersten Kunden die Zusammenarbeit beenden. Nicht, weil sie nichts gebracht hätte, sondern weil er die Aufträge nicht mehr abarbeiten konnte. Ihm fehlten schlicht die Leute dafür.
Was lief da schief?
Nichts an der Arbeit, aber alles an der Reihenfolge. Wir hatten die Nachfrage gesteigert, ohne dass der Betrieb personell mithalten konnte. Da habe ich verstanden, wie groß dieses Thema in der Branche wirklich ist. Seitdem geht es bei Social Werk nicht mehr darum, schöne Inhalte zu produzieren. Es geht um Wirkung. Und Wirkung heißt für uns nicht Bewerbungen, sondern Einstellungen von Fachkräften, die auch in zwei Jahren noch im Betrieb sind. Keine Gehaltstouristen.
Viele Inhaber sagen: „Es gibt keine Leute mehr auf dem Markt.“ Stimmt das?
Nein. Es gibt genug Fachkräfte, sie arbeiten nur gerade in einem anderen Betrieb. Rund 45 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland sind offen für einen Wechsel, die wenigsten davon suchen aktiv. Sie schauen nicht auf Stellenportale, sie kennen vielleicht sogar den Betrieb um die Ecke und haben eigene Gründe zu wechseln: das Team, die Arbeitszeiten, die Wertschätzung, die Perspektive. Natürlich reicht das nicht für jeden Betrieb. Der Markt ist ein Kreislauf: Wer sich nicht um seine Sichtbarkeit als Arbeitgeber kümmert, wird kleiner, und seine Leute wechseln zu denen, die es tun. Wer sich langfristig aufstellt, bekommt und bindet die guten Mitarbeiter. Dafür braucht es Vertrauen, und das entsteht nicht über eine Stellenanzeige, einen Headhunter oder Zeitarbeit. Es entsteht, wenn ein Betrieb sich ehrlich zeigt. Und zwar dort, wo die Menschen ohnehin ihre Zeit verbringen.
Warum nicht Zeitarbeit oder Personalvermittlung? Die liefern doch sofort.
Ein flexibles Team für Auftragsspitzen kann sinnvoll sein. Als Dauerlösung killt Zeitarbeit die Marge und ist nicht planbar. Bei der Vermittlung kommt dazu: Sie wird sehr teuer, wenn man mehrere Stellen besetzen will. Und man weiß nicht, ob die Leute bleiben, weil sie sich nicht beim Betrieb beworben haben, sondern bei der Vermittlung. Wer fürs Geld kommt, geht auch wieder fürs Geld, und mit Jobhoppern kann keiner planbar arbeiten.
Ein Handwerker bekommt heutzutage viele Anrufe von Recruiting-Anbietern. Warum sollte er ausgerechnet Ihnen zuhören?
Weil die meisten davon dasselbe verkaufen: eine Vorlage. Dieselben Anzeigen, dieselben Sprüche, dieselben leeren Versprechungen. Das funktioniert kurz, weil Reichweite eingekauft wird, und dann ist der Betrieb wieder da, wo er angefangen hat. Wir bei Social Werk machen seit 2023 nichts anderes als Handwerk, Bau und Industrie. Wir wissen, was einen Gesellen zum Wechsel bewegt und was nicht. Wer mit Social Werk arbeitet, bekommt mich als festen Ansprechpartner. Ich übernehme die Verantwortung für jeden einzelnen Partnerbetrieb.
Was ist die Social-Werk-Methode?
Drei Grundsätze. Erstens: Der Betrieb wird sichtbar, und zwar dauerhaft und echt. Arbeitsalltag, Team, Umgang miteinander, keine Stockfotos. Zweitens: Beim Inhaber landen nur Bewerber, die wirklich passen. Wir filtern KI-gestützt und qualifizieren mit erfahrenen Menschen vor, damit er nur mit Leuten spricht, die fachlich und menschlich zum Betrieb passen. Als Orientierung: Sechs bis acht qualifizierte Bewerbungen pro Monat und Stelle sind mehr wert als 60 unpassende aus der Stellenbörse. Drittens: Die Leute bleiben. Wir messen uns nicht an Bewerbungen, sondern daran, ob die Mitarbeiter nach zwei Jahren noch da sind.
Ist das nicht Abwerben?
Nein. Abwerben wäre, jemanden persönlich anzusprechen, wie es ein Headhunter tut. Wir zeigen einen Betrieb, wie er ist. Die Leute, die ohnehin über einen Wechsel nachdenken, entscheiden selbst. Sie bewerben sich beim Betrieb, nicht bei uns und nicht bei einem Dritten.
Viele Inhaber sagen: „Ich hab dafür keine Zeit.“ Was antworten Sie?
Dass das genau der Punkt ist. Unser Kernwert bei Social Werk ist, es für den Betrieb und die Geschäftsführung so zeitsparend wie möglich zu machen. Wir benötigen einmal Einblick in den Betrieb, den Rest übernehmen wir. Bis man nur noch Gespräche führt, die sich wirklich lohnen. Einem Inhaber, der jede Woche mit sechs unpassenden Bewerbern plaudert, bleibt deutlich weniger Zeit als einem, der mit uns arbeitet.
Sie sprechen von Mitarbeitern, die bleiben. Wie messen Sie das?
An der Fluktuation. Diese Quote ist in vielen Betrieben viel zu hoch und kostet mehr als jede Stellenbesetzung. Und ja: Auch altersbedingte Abgänge gehören dazu. Ich bin mit unseren Partnerbetrieben im ständigen Austausch, und das Feedback ist konstant: Die Leute bleiben und packen an. Wenn jemand geht, dann wegen Rente oder Umzug. Und das lässt sich nachbesetzen, weil der Betrieb sichtbar bleibt.
Fast jeder Inhaber kennt jemanden, der schon Geld in eine Agentur gesteckt und nichts bekommen hat. Wie gehen Sie damit um?
Diese Skepsis nehme ich ernst, weil sie meistens berechtigt ist. In der Regel war das einer der üblichen Verdächtigen: schwach angefangen und stark nachgelassen (Brandt schmunzelt). Entweder wurde der Betrieb nicht so gezeigt, dass jemand sagt: Da will ich hin. Dann schauen die Leute, bewerben sich aber nicht. Oder es kommen 60 Bewerbungen, von denen 55 unbrauchbar sind, und der Chef verbringt eine Woche mit sinnlosen Gesprächen. Reichweite allein ist wertlos. Ich sage den Betrieben dann: Genau deshalb sprechen wir. Bei Social Werk gibt es keinen Start, bevor ich den Betrieb nicht verstanden habe.
Was fällt Ihnen aktuell im Markt negativ auf?
Zwei Dinge. Erstens Anbieter, die konkrete Personen versprechen: „Wir haben da zwei Gesellen für Sie.“ Diese Leute werden dann quasi verkauft. Das klingt verlockend, kostet viel Geld, und sie bleiben nicht. Sie haben sich nicht beim Betrieb beworben, weil sie dort arbeiten wollten, sondern weil sie vermittelt wurden. Vorausgesetzt, es hat sie überhaupt jemals gegeben, was oft nicht der Fall ist. Zweitens Dienstleister, die schlicht nicht leisten können, womit sie werben. Da wird mit Garantien und Bewerberzahlen um sich geworfen, die im Kleingedruckten niemals eingelöst werden. Beides schadet dem Betrieb und dem Ruf der ganzen Branche.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei Social Werk? Und wo hört sie auf?
KI öffnet uns extrem viele Türen und wird in vielen Bereichen das Leben erleichtern. Aber gerade im Handwerk sieht man jeden Tag: Sie kann nicht alles übernehmen. Kein Algorithmus fährt morgens zum Kunden. Deshalb nutzen wir KI dort, wo sie einfach besser ist als der Mensch: beim Auswerten, beim Filtern, bei der Geschwindigkeit. Für die Vorqualifizierung und die Einstellung braucht es weiterhin erfahrene Menschen. Genau wie im Handwerk gilt auch in der Mitarbeitergewinnung: Menschen vertrauen Menschen.
Was ist der häufigste Fehler, den Sie bei Betrieben sehen?
Aufschieben. Das Thema wird mehrere Jahre vor sich hergeschoben, weil gerade ein Großauftrag läuft oder der Winter kommt. Und dann ändert sich nichts, obwohl die richtigen Leute mit den richtigen Schritten da wären. Der zweite Fehler folgt direkt daraus: Wenn der Druck zu groß wird, stellt man als Notlösung irgendwen ein. Das hilft kurz und kostet lang. Wer einen Quereinsteiger anstelle eines Facharbeiters einstellt, hat kein Problem gelöst, sondern ein neues geschaffen.
Gibt es Betriebe, mit denen Sie nicht arbeiten?
Ja. Betriebe, die sich komplett vom Thema Online-Sichtbarkeit distanzieren und sich nicht bewegen wollen, habe ich abgelehnt. Nicht aus Arroganz, sondern weil es dann nicht funktioniert. Wer sein Team halten oder wachsen will, muss sich hier richtig aufstellen. Das ist kein Nice-to-have mehr, sondern Pflicht.
Kostenloses Erstgespräch
Betriebe aus Handwerk, Bau und Industrie, die Fachkräfte suchen, können unter www.social-werk.de (https://social-werk.de/) ein kostenloses Erstgespräch mit Julian Brandt vereinbaren.
Das Interview wurde von der Social Werk GmbH geführt und veröffentlicht.
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