Nicht krisenresilient: EU ist viel zu langsam und viel zu bürokratisch
Berlin (ots) –
Beim traditionellen EU-Herbstempfang des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat der Verbandsvorsitzende Oliver Kirst angesichts einer geopolitisch extrem angespannten Situation schnelles und entschlossenes Handeln gefordert. Die Politik der EU kritisierte er als „viel zu langsam und viel zu bürokratisch“.
Nach den Worten Kirsts gibt es weder national noch europäisch eine Politik, „die dieser geopolitisch extrem angespannten Lage wirklich angemessen wäre“. Das gelte leider und nicht zuletzt auch für die Gesundheitsversorgung. „Wir sind auf den Krisenfall nicht vorbereitet, wir sind schon gar nicht krisenresilient“, sagte der BPI-Vorsitzende zur Eröffnung des Herbstempfangs gestern Abend in der Bibliothèque Solvay in Brüssel. „Das ist geradezu unverantwortlich.“
Als exemplarisch für das Verhalten der EU bezeichnete Kirst den Critical Medicines Act (CMA). Es sei der absolut richtige und dringend notwendige Ansatz, kritische Arzneimittel wieder in Europa zu produzieren. „Aber wie lange wird darüber schon debattiert, und was ist faktisch passiert?“, fragte der BPI-Vorsitzende. Der CMA müsse, so der aktuelle Status, noch formell angenommen werden.
Auf viele Fragen gebe es bisher zu wenige Antworten: „Wo produzieren wir was? Wo lagern wir die versorgungsrelevanten und im Krisenfall dringend benötigten Präparate? Und wie schützen wir Produktionsanlagen oder Lagerstätten, existenzielle Bestandteile der kritischen Infrastruktur? Vor allem: Wie reduzieren wir unsere wirtschaftliche und technologische Abhängigkeit, um unsere Souveränität zurückzugewinnen?“
Kirst erinnerte daran, dass der BPI bereits zu Beginn des Jahres eine umfassende Sicherheitsstrategie vorgelegt habe. Damit Deutschland und die EU wieder versorgungssouverän werden, hat der Verband einen konkreten Zehn-Punkte-Plan aufgestellt, um Produktionsbedingungen wettbewerbsfähig zu machen und resiliente Lieferketten zu stärken. „Unser zentraler Ausgangspunkt ist dabei, dass Gesundheitspolitik immer auch als Standortpolitik und in diesen Zeiten auch als Teil der Sicherheitspolitik verstanden werden muss“, so Oliver Kirst.
Thema des diesjährigen BPI-Herbstempfangs in Brüssel ist „Polycrisis Europe – How can we future-proof our health security architecture?“. Nach der Eröffnungsrede des BPI-Vorsitzenden Oliver Kirst diskutieren Dr. Florika Fink-Hooijer, Generaldirektorin der EU-Behörde für Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen, Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm, Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr, und Dr. Marcus Rudolf Götz, Leiter Forschung & Entwicklung bei Bode-Chemie und Reserveoffizier der Bundeswehr im Rang eines Stabsapothekers.
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