POLITICO Competitive Germany Summit: Woidke warnt vor steigenden Strompreisen durch neue Gaskraftwerke – VDA-Präsidentin Müller fordert nach Schaeffler-Werksschließungen politische Kurskorrektur
Berlin (ots) –
Beim ersten „POLITICO Competitive Germany Summit“ in Berlin haben 21 Entscheidungsträger aus Bundes- und Landespolitik, Regulierung, Industrieverbänden, Finanzwirtschaft und Geopolitik die Standortbedingungen der deutschen Wirtschaft analysiert. Mit der ganztägigen Konferenz übertrug POLITICO sein Brüsseler Veranstaltungsformat erstmals nach Deutschland. In sieben Bühnen-Sessions befragte die Redaktion von POLITICO Deutschland Minister, Staatssekretäre, Verbandspräsidenten und Unternehmensvorstände zu industrieller Transformation, Energiepreisen, Kapitalmarktfinanzierung, technologischer Souveränität und Sicherheitspolitik.
Woidke widerspricht Bundeswirtschaftsministerium bei Strompreisen
Ein Schwerpunkt der Debatte lag auf den Kosten der deutschen Energiepolitik. Am Veranstaltungstag gab die Bundesnetzagentur die Zuschläge der ersten Ausschreibungsrunde für Langzeitkapazitäten im Rahmen der Kraftwerksstrategie bekannt (41 Gebote über knapp zwölf Gigawatt bei einem durchschnittlichen Zuschlagspreis von rund 155.000 Euro; sechs von elf Zuschlägen gingen an das Lausitzer Energieunternehmen Leag). Während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin erklärte, die Ausschreibung schaffe die Grundlage für eine „sichere und bezahlbare Stromversorgung“ und senke die Kosten für Stromkunden, widersprach Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf der Bühne des POLITICO Competitive Germany Summit.
Woidke begrüßte die Zuschläge für die Leag mit Blick auf die Standorte Jänschwalde, Boxberg und die Lausitz, warnte jedoch vor den finanziellen Folgen der ab 2031 geplanten Umlagefinanzierung: „Für den Strompreis ist es eher eine weniger gute Nachricht, weil der Strompreis durch den Bau der Gaskraftwerke steigen wird.“ Die neuen Kraftwerke würden, „das gehört zur Wahrheit, durch den Steuerzahler bezahlt“, sagte Woidke im Panel „Standort Deutschland 2030“. Zudem reiche die aktuelle Subventionierung für Investitionsentscheidungen der Industrie nicht aus: „Wir müssen dringend mit diesem Strompreis wettbewerbsfähig sein – und das sind wir momentan bei Weitem nicht.“ Da der Industriestrompreis nur für drei Jahre gelte, bilde er keine Grundlage für langfristige Investitionen energieintensiver Unternehmen in Deutschland. „Deswegen müssen wir hier dringend, dringend besser werden.“
VDA-Präsidentin Müller verlangt nach Schaeffler-Stellenabbau wirtschaftspolitische Konsequenzen
Unmittelbar nach der Ankündigung des Automobilzulieferers Schaeffler, vier Werke in Deutschland zu schließen und europaweit 3.460 Arbeitsplätze abzubauen, forderte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, auf dem „POLITICO Competitive Germany Summit“ ein Umsteuern der Bundesregierung.
„Die Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes muss endlich die Top-Priorität auf allen politischen Ebenen werden, um die notwendige Trendwende einzuleiten“, sagte Müller im Rahmen des Summits. „Politisches Nicht-Handeln kostet jeden Tag weitere Jobs.“ Der Wechsel vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität koste Arbeitsplätze; an den deutschen Standortfaktoren entscheide sich jedoch, wo neue Stellen entstünden und wohin die Milliarden-Investitionen der Industrie flössen. Der Fall Schaeffler belege erneut, dass Unternehmen auf die bestehenden Standortbedingungen in Deutschland reagierten.
Das Programm gliederte die Standortdebatte in sieben thematische Schwerpunkte:
– Politische Standort-Agenda („Wettbewerbsfähigkeit made in Germany“)
– Europäische Industriepolitik („Brüssel & Beyond“)
– Industrielle Transformation („Standort Deutschland 2030“)
– Investitionen und Kapitalmarkt („Standort Deutschland unter Druck“)
– Digitalisierung („Europas Tech-Souveränität“)
– Energieversorgung und Netze („Deutschlands Wettbewerbsnachteil Energie“)
– Außenwirtschaft und Sicherheit („Germany & Beyond: Wettbewerbsfähigkeit und Geopolitik“)
Das gesamte Programm und die vollständige Liste der Panelisten des „POLITICO Competitive Germany Summits“ finden Sie HIER (https://www.politico.eu/competitive-germany-summit-2026/).
Pressekontakt:
Kritsanarat Khunkham
Director Communications PREMIUM-GRUPPE
kritsanarat.khunkham@axelspringer.com
030 2591 77608
Original-Content von: WELT, übermittelt durch news aktuell
Quelle und Originalmeldung: Presseportal.de



