Sonntag , 16. Januar 2022
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Ein Konzept mit Zukunft? Wie New Work die Führungsetage umkrempelt

Die Arbeitswelt befindet sich aktuell in einem immensen Wandel. Corona und das immer stärkere Bedürfnis der Arbeitnehmenden nach New-Work-Konzepten stellen Unternehmen vor besondere Herausforderungen. Erschwerend kommt der in vielen Branchen herrschende Fachkräftemangel hinzu, mit erheblichen Auswirkungen auf das Recruiting. Denn nicht nur die Gewinnung neuer Arbeitskräfte wird zur fortlaufenden Challenge, auch das Halten qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erweist sich als schwierig. Junge Generationen streben nach mehr als Status und einem guten Gehalt. Eine sinnstiftende Arbeit mit mehr Selbstbestimmung und Raum für das Privatleben ist der neue Idealzustand. Doch was verbirgt sich genau hinter dem New-Work-Konzept und wie wirkt es sich auf die Führung in einem Unternehmen aus?

New Work – ein altes Konzept neu aufgelegt?

2021-12-20-New Work
Bildrecht: TIMOCOM GmbH

Der Begriff New Work (auf Deutsch „Neues Arbeiten“) klingt erst einmal sehr innovativ und neuartig. Tatsächlich geht das Konzept aber bereits auf die Mitte der 70er Jahre zurück, als der österreichisch-amerikanische Sozialphilosoph Frithjof Bergmann ein Theoriekonzept der neuen Arbeit entwickelte. Der Kern des Konzeptes befasst sich mit der Umkehrung der klassischen Lohnarbeit. In den 70er Jahren lag der Zweck der Arbeit allein darin, bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Der Mensch war das Mittel zu diesem Zweck. Bergmann kehrte dieses Verhältnis um und stellte stattdessen den Menschen in den Fokus, sodass die Arbeit zum Mittel wurde, um sich zu verwirklichen. In anderen Worten: New Work sollte die Arbeit sein, die der Mensch wirklich machen wollte.

50 Jahre später rückt das Konzept im Zuge der Transformation der Arbeitswelt wieder in den Mittelpunkt. Heute wird es oft als Sammelbegriff für verschiedene, meist alternative Arbeitsmodelle und –formen verwendet und gilt als wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt 4.0.

Was erhoffen sich Nachwuchskräfte von New Work?

Nicht nur die Anforderungen an die Arbeitswelt haben sich durch Digitalisierung, Globalisierung und den Einsatz künstlicher Intelligenz radikal verändert. Mit jeder aufstrebenden, neuen Generation wandeln sich auch deren Bedürfnisse. Die klassische Karriere hat für viele Berufsstarter ausgedient, stattdessen erlebt die Sinnfrage eine Aufwertung.

Junge Menschen legen heute einen viel größeren Wert auf die persönliche Potenzialentfaltung, eine ausgewogene Work-Life-Balance mit flexibler Arbeitsgestaltung und die Einbeziehung eines jeden Einzelnen in Entscheidungen. Statt in trostlosen Büros möchten die Nachwuchskräfte selbstbestimmt im Homeoffice, in Co-Working-Spaces oder neu konzeptionierten Räumen arbeiten. Die Wünsche nach agilen Arbeitsmethoden und einer Kommunikation auf Augenhöhe über Hierarchieebenen hinweg stellen bisherige Führungsstile infrage und über Jahre gewachsene Betriebe vor nie dagewesene Herausforderungen.

Sowohl für Großkonzerne als auch Familienbetriebe gilt: Um sich jüngeren Generationen weiterhin als attraktiver Arbeitgeber präsentieren zu können und zukunftsfähig zu bleiben, müssen sich Unternehmen mit dem Konzept New Work auseinandersetzen. Für viele Betriebe bedeutet dies einen radikalen Wandel zu einem ganz neuen Mindset.

Leadership und New Work – zwei unvereinbare Konzepte?

Durch die Einbeziehung aller Stakeholder und einer Kommunikation auf Augenhöhe verschwimmen Hierarchiegrenzen. Mitarbeitende werden zum Intrapreneur – also zum Unternehmer im Unternehmen. Dies wirkt sich auch auf die Rolle der Führungskräfte aus. Strenge hierarchische Führungsstile sind mit New Work nicht vereinbar. Möchte ein Unternehmen an dem Prinzip einer Führungskraft festhalten, übernimmt diese die Rolle des Coaches oder Moderators, der strategische Orientierung gibt und alle Mitarbeitenden befähigt, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Unternehmen, die einen Schritt weiter gehen, verzichten komplett auf einzelne Führungskräfte und setzen auf das Konzept der Selbstführung und geteilten Führung. Bei der geteilten Führung führt sich ein Team gegenseitig, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Mitarbeitende, die sich selbst führen, sind weniger abhängig von den Entscheidungen anderer und steigern durch intrinsische Motivation ihre Effektivität.

Beide Konzepte setzen voraus, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgen und ihnen passende Tools zur Verfügung stehen, um sich an Führungsaufgaben zu beteiligen. Klar sollte hierbei sein, dass bisherige Prinzipien nicht ad hoc ersetzt werden können. Mitarbeitende, die von nun an Führungsaufgaben übernehmen, sollten entsprechend qualifiziert werden.

Stimmen alle Voraussetzungen, profitieren gerade komplexe Arbeitsbereiche von der geteilten Führung mit unterstützender Selbstführung, da unterschiedliche Expertisen in die Zielerreichung einfließen.

Welche Chancen ergeben sich durch New Work? 

Auch wenn viele Unternehmen den Wandel zu New Work zunächst als Belastung empfinden, ergeben sich dadurch doch neue Potenziale. Durch die Digitalisierung laufen aufwendige Prozesse automatisiert ab und die Vernetzung der Mitarbeitenden über viele Standorte hinweg wird vereinfacht. So sind nicht mehr strukturelle Rahmenbedingungen ausschlaggebend für die Projektteilnahme, sondern echtes Interesse und persönliche Fähigkeiten. Vorhandenes Wissen kann offen mit allen geteilt werden und das Einbringen eigener Ideen ist erwünscht. Durch die verbesserte Zusammenarbeit und der Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung steigern Spaß und Motivation der Mitarbeitenden, was wiederum zu einer erhöhten Identifikation mit dem Unternehmen führt.

Die Freude an einer sinnstiftenden Arbeit führt dazu, dass Arbeit und Freizeit immer mehr verschmelzen (Work-Life-Blending) und Arbeit nicht als Last, sondern als Mittel zur Potenzialentfaltung empfunden wird.

Innovationsbereitschaft als Schlüssel zum New-Work-Konzept

Für viele Unternehmen bedeutet New Work einen tiefgreifenden Wandel in Strukturen, Werten und dem bisherigen Mindset. Doch nur Unternehmen, die offen für Innovationen sind, können auch in Zukunft engagierte Fachkräfte für sich gewinnen. Tempo ist hierbei Trumpf, um im Wettbewerb zu bestehen. Innovationen sind aber niemals reiner Selbstzweck, sondern immer Mittel zum Zweck. Sie müssen umsetzbar sein, denn nur so tragen Konzepte wie New Work zum langfristigen Unternehmenserfolg bei.

Autoreninfo:

Als erfahrene Führungskraft und passionierter Director Business Innovation bei TIMOCOM hat Frank Heimbürger das erforderliche Mindset für New Work bereits verinnerlicht und weiß genau, wie Unternehmen innovative Konzepte umsetzen und etablieren können.

TIMOCOM ist ein mittelständisches IT-Unternehmen mit Sitz in Erkrath bei Düsseldorf.

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