Mittwoch , 17. August 2022
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Ende in Sicht für Preis-Boom bei Gebrauchtwagen?

Das erste Halbjahr 2022 deutet auf eine leichte Entspannung der Preise für Gebrauchtwagen hin – Experte Benjamin David, Geschäftsführer von DAVID Finest Sports Cars, zieht ein Resümee und blickt auf die zweite Jahreshälfte.

Mit einer Steigerung von beispiellosen zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete der Gebrauchtwagenhandel in 2021 über nahezu alle Segmente hinweg nie dagewesene Höchstpreise. Von dem Mangel an Halbleiterchips über die durch die Corona-Krise bedingten Lieferengpässe bis hin zum parallel steigenden Wunsch nach individueller Mobilität, waren die Gründe für diesen Umstand und die Knappheit an nachkommenden Fahrzeugen zahlreich. Besonders betroffen waren im Vergleich zum Vorjahr Modelle der Mittelklasse (+14,10 %) und ältere Gebrauchtwagen zwischen zehn und zwanzig Jahren (+12,32 %). Aber auch Sportwagen waren insgesamt 8,45 % teurer, bei den Oberklasse-Modellen wie beispielsweise der Mercedes S-Kasse oder dem BMW 5er betrug das Preisplus überdurchschnittliche 10,41 %.

Seit April 2022 deuten nun erstmals seit zwei Jahren Anzeichen auf ein Ende dieses Preis-Booms und eine anhaltende Stabilisierung hin. Während die Preise im Vergleich zum jeweiligen Vormonat im April (+ 0,5 %), Mai (+0,4 %) und Juni (0,2 %) nur noch moderat anstiegen und stetig unter einem Prozent blieben, sank der Durchschnittspreis für einen Gebrauchtwagen im Juli nun sogar um 0,2 Prozent. Diese Daten spiegeln, dass sowohl Hersteller als auch Lieferanten mittlerweile gelernt haben, auf die aktuellen Bedingungen zu reagieren und ihre Prozesse umzuwandeln, weshalb sich die Lieferfähigkeit wieder verbessert hat. Dadurch, dass schrittweise mehr Neuwagen auf den Markt kommen, wird gleichzeitig dem Mangel und damit auch dem Preisanstieg im Gebrauchtwagensegment entgegengewirkt. Teilweise wird sogar so viel nachproduziert, dass nicht für jedes hergestellte Auto ein Abnehmer gefunden werden kann. In Zeiten der Angebotsknappheit profitierten Gebrauchtwagenhändler zuletzt stark von der Krise und haben die Verkaufspreise unverhältnismäßig hoch angesetzt. Die Bereitschaft der Käufer, solche extremen Beträge zu bezahlen, war allerdings nur eine den Umständen geschuldete Momentaufnahme und kein anhaltender Zustand – deshalb müssen Markt und Vertriebler jetzt so schnell wie möglich umdenken.

Preise im Premium-Segment bereits niedriger, Sondermodelle als Wertanlage aber stark gefragt

Bemerkenswert ist, dass die Preise für gebrauchte Autos aus dem Luxus-Segment wie Sportwagen und Oldtimer den Anfang des Trends markierten und bereits seit März wieder zwischen rund zwei bis vier Prozent günstiger geworden sind. Grund dafür ist schlichtweg, dass es sich um die Fahrzeuge handelt, die auf dem Markt nun einmal am wenigsten benötigt werden. So kostete ein Sportwagen im Januar durchschnittlich knapp über 65.600 Euro, während er im Juli preislich bei rund 61.600 Euro lag, Oldtimer verbilligten sich immerhin um rund 1.000 Euro. Teilweise wurden Gebrauchte in 2021 zu Neulistungspreisen verkauft, während die Standzeiten mit rund 20 Tagen sehr kurz waren. Insgesamt gesehen hat sich diese Ausnahmesituation zwar wieder etwas beruhigt, die Nachfrage ist aber noch immer konstant hoch. Eine Ursache dafür ist, dass wohlhabende Menschen in Zeiten der Inflation und Zinswende ihr Vermögen vor einer Geldentwertung schützen möchten und deshalb vermehrt auf Sachwertanlagen wie Luxuswagen setzen. Hierbei greifen Kunden aber nur noch für die wenigsten Fahrzeuge überdurchschnittlich tief in die Tasche: So heiß begehrt sind lediglich limitierte Sondermodelle oder beispielsweise der vielleicht letzte große 6-Zylinder einer Marke, wie der Porsche 911 GT3 RS. Standardmodelle wie Porsche Boxster oder Cayman haben im letzten Jahr schlichtweg an dem allgemeinen Preisanstieg partizipiert und sind etwa wieder um rund sieben bis zehn Prozent günstiger geworden – Händler sollten sich spätestens jetzt darüber bewusstwerden, dass das Vermögen der Käufer nicht mit den ansteigenden Preisen mitgewachsen ist, weswegen Angebote entsprechend angepasst werden müssen.

Finaler Preis-Peak bei Gebrauchtwagen erreicht, nahe Zukunft dennoch ungewiss: Sommerloch als Kaufempfehlung

Ob es sich bei den für Kaufinteressierte positiven Anzeichen nun um eine langfristige Marktentspannung oder nur um eine kurze Atempause handelt, ist aktuell schwer vorauszusehen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Produktionsschwierigkeiten durch den Krieg in der Ukraine, der Einfluss neuer Sanktionen, die steigende Inflationsrate und erneute potenzielle coronabedingte Lieferengpässe. Die Gesamtheit dieser teilweise unberechenbaren Faktoren lässt eine verlässliche Prognose zu der Preisentwicklung des Gebrauchtwagenmarktes im zweiten Halbjahr 2022 kaum zu. Die Zeiten der konstant extremen Preissteigerungen sind allen Anzeichen nach dennoch vorbei – es ist davon auszugehen, dass der Preis-Peak erreicht wurde und auch nicht noch einmal überschritten werden wird, langfristig darf mit einer rückläufigen Preisentwicklung in allen Segmenten gerechnet werden. Da die Preise für Gebrauchtwagen in den kalten Monaten aber standardmäßig noch einmal leicht ansteigen, ist es für alle, die noch in diesem Jahr einen Gebrauchten – ob Alltagsauto oder Luxusfahrzeug – erwerben möchten, ratsam, dies jetzt zu tun und das Sommerloch zu nutzen. In der Ferienzeit ist die Nachfrage meist geringer und die Autohäuser leerer, sodass mit etwas Geschick größere Rabatte ausgehandelt werden können.

Quelle: BEiL – Die PR-Strategen GmbH

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