Samstag , 3. Dezember 2022
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Seehafen Rostock: Der Universalhafen als zukunftsfähiges Modell

Die Beteiligung der chinesischen Reederei Cosco am Tollerort-Terminal in Hamburg sorgt viel für politischen Sprengstoff. Ein ganz anderes Modell präsentiert der Seehafen Rostock, der eine Beteiligung ausländischer Investoren prinzipiell ausschließt. Dies bekräftigte der amtierende Oberbürgermeister Wrycz Rekowski (SPD) auch gegenüber den Medien. Selbst ein Teilverkauf sei nicht denkbar, da der Standort auch als Umschlagplatz für Öl immer bedeutsamer werde. Hinzu kommt, dass die regionale Infrastruktur und damit die Existenz vieler Unternehmen mit dem Hafen verknüpft sind. Die Mitsprache Dritter möchte man daher ausschließen. Stattdessen betont man die Bedeutung für die Region und die Vorteile des Universalhafens.

Keine Beteiligung von Dritten

Mit fast 25 Prozent wird der chinesische Staatskonzern Cosco in Zukunft am Containerterminal Tollerort in Hamburg beteiligt sein. Durch den Teilverkauf haben die Verantwortlichen in der Politik viel Kritik auf sich gezogen. Auch der Seehafen Rostock ist ein wichtiger Umschlagplatz. Oberbürgermeister Wrycz Rekowski von der SPD gab jedoch bereits Entwarnung. Von Problemen, die durch ein Mitspracherecht ausländischer Investoren auf Hamburg zukommen könnten, wird man in Rostock verschont bleiben, da selbst ein Teilverkauf ausgeschlossen ist. Mit dieser klaren Ansage möchte die Stadt Gerüchte über die mögliche Zukunft aus der Welt schaffen. Die aktuellen Gesellschafter des Hafens sind Euroports Germany und die Rostock Port GmbH, wodurch der Hafen vollständig in öffentlicher Hand ist. Anteilig wird so ein Viertel vom Land Mecklenburg-Vorpommern gehalten, während die übrigen knapp 75 Prozent der Stadt selbst gehören.

An der Infrastruktur moderner Terminals hängen heutzutage viele Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze. Mehrere Jahre am Stück meldete der Rostocker Seehafen einen Rekord-Umschlag. Zu den häufigsten Gütern gehören Papier, Getreide und auch Öl. Besonders die Förderung von Getreide wird über komplexe Anlagen realisiert. Beim Filtern und bei der Schiffsverladung kommen beispielsweise moderne Schneckengetriebe zum Einsatz. Die Stadt bezeichnet den Hafen daher auch als bedeutendstes Gewerbe- und Industriegebiet in der gesamten Region. Häfen, die nicht auf ein einzelnes Umschlaggut spezialisiert sind, werden auch als Universalhäfen bezeichnet.

Wichtiger Baustein für die deutsche Energiesicherheit

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Die Unabhängigkeit von ausländischen Anteilhabern ist aus der Sicht der Stadt auch deshalb wichtig, weil der Standort als künftiger „grüner Energiehafen“ eine entscheidende Rolle in der Versorgungsstrategie Deutschland spielen soll. Der aktuelle Bundeswirtschaftsminister Habeck erwähnte den Seehafen Rostock außerdem im Zusammenhang mit der Energiesicherheit und sieht eine zentrale Funktion beim bundesweiten Ölumschlag. Grundsätzlich möchte man jedoch nicht am Konzept des Universalhafens rütteln, da man sich aufgrund der guten Zahlen in dieser Strategie bestätigt sieht. Der neuste Umschlagrekord fiel nämlich in eine Zeit, in der die meisten anderen Häfen eher Rückgänge zu verzeichnen haben. Durch die gute infrastrukturelle Anbindung sieht man sich auch für die aktuellen Krisen und kommende Herausforderung bestens gewappnet, da die flexiblen Transportwege eine herausragende Wettbewerbsfähigkeit garantieren. Die Idee der Nachhaltigkeit hat mittlerweile auch in der Schifffahrt einen hohen Stellenwert bekommen. Reedereien und große Häfen wie der Seehafen Rostock machen sich daher viel Gedanken um Dekarbonisierung. Dass der Hafen zu 100 Prozent in öffentlicher Hand ist, erleichtert darüber hinaus die Koordination mit kommenden Projekten, wie dem Ausbau der Bahnverbindung zwischen Berlin und Rostock.

Seit den 90er-Jahren durchgängig in öffentlicher Hand

Die heutige Situation ist das Ergebnis einer günstigen Entwicklung, die bereits in den 1990er Jahren ihren Lauf nahm. Damals gehörte die Hafenumschlaggesellschaft kurzzeitig israelischen Investoren. Nach dem Kauf durch Euroports Germany wickelt das Unternehmen die Verladung vor Ort ab. Auftraggeber sind vor allem große Unternehmen, die am Hafen präsent sind, jedoch selbst keine Anteile an ihm besitzen. Wer auf dem Gelände produziert oder umschlägt, der pachtet daher nur. Das gesamte Gelände und alle zugehörigen Gebäude gehören der Stadt Rostock und dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Eine Aufteilung an Euroports Germany und die Rostock Port GmbH fand im Jahr 1999 statt. Die Konstellation funktioniert nach Aussage der Verantwortlichen bestens und dient als wichtiges Fundament für die kommenden Jahre.

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