Donnerstag , 15. April 2021
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Fachgeschäfte für E-Zigaretten boomen

Jahr für Jahr steigen die Umsätze für E-Zigaretten beträchtlich an und erreichen Spitzenwerte um +25 %. Der Verkauf von E-Zigaretten und ähnlicher Produkte scheint goldenen Boden zu haben. Bei einem deutschlandweiten Online-Anteil von 61 % in Bezug auf die Verkäufe wittern vor allem Online-Händler das große Geschäft. Nahezu jede bekannte Tabakmarke betreibt bereits ihre eigenen Produkte rund um die E-Liquids.

Dennoch gibt es mit Blick auf die Prognose einige Unsicherheitsfaktoren, die eng mit den kommenden Studienergebnissen zu den gesundheitlichen Auswirkungen der E-Liquids zu tun haben. Einige Studienergebnisse sind bereits abgeschlossen. Lohnt es sich also, in dieses Geschäft einzusteigen wie dieser Großhandel für E-Zigaretten und Zubehör oder ist die Rechtslage zu unsicher? Wir nehmen uns der Sache an.

Wider den Trend: der Aufstieg der E-Zigaretten im Klima der Restriktion

Die E-Zigaretten wurden in den 2010er-Jahren in einem gesellschaftlichen und politischen Klima populär, das dem Rauchen den Kampf ansagte. Nicht länger sollte hingenommen werden, dass jedes Jahr allein in Deutschland weit über 100.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben. Die Gesundheitsgefahren durch das Rauchen sind hinlänglich bekannt und konnten durch die Tabakkonzerne nicht länger verschleiert werden. Die Entwicklung war nicht auf Deutschland beschränkt, sondern ein weltweiter Trend. Nahezu jeder Staat verabschiedete seine Antirauchergesetze.

2020-11-23-E-Zigaretten
Quelle pixabay.com / Nutzer StockSnap.

In Deutschland wurden Raucher aus Kneipen verbannt; die Tabaksteuer stieg dramatisch an; das Einstiegsalter wurde von 16 auf 18 Jahre erhöht; die Raucherecken verschwanden aus den Schulen; Schockbilder müssen große Teile der Verpackung verdecken; in öffentlichen Räumlichkeiten und im Inneren von Betrieben darf nicht mehr geraucht werden. Begleitet wurden diese Antirauchergesetze durch entsprechende Gesundheitskampagnen, die ein Umdenken in der Bevölkerung bewirken sollten. Seitdem geht der Raucheranteil dramatisch zurück und sank zwischen 2000 und 2020 von 33 % auf 23 %. Der Raucheranteil bei Jugendlichen schmolz auf ein Drittel zusammen.

Hilfreicher Überraschungseffekt

Der Boom der Branche für E-Zigaretten mutet in diesem Klima anachronistisch an, wird aber erklärlich, wenn man sich die Vermarktungsstrategie der Händler anschaut. Auf diese Weise wurden E-Zigaretten als gesundheitsschonende Alternative zum traditionellen Rauchen angepriesen. Sie versprachen Rauchern statt eines auf Dornen gepflasterten Ausstiegs einen sanften Übergang von einem Genussmittel zum nächsten, dem sie nun mit gutem Gewissen frönen könnten. Während Zigaretten als überholt, altbacken und zunehmend anrüchig galten, lockten E-Liquids als hippe, moderne und vor allem gesundheitlich unbedenkliche Alternative, die wunderbar zum postmodernen Zeitgeist zu passen schien.

Die Branche profitierte vom Reiz des Neuen und der entsprechenden Neugierde. Zwar gibt es E-Zigaretten bereits seit den 1960er-Jahren, aber erst in den 2010er-Jahren avancierten sie zum Massenprodukt. Flankiert wurde diese Entwicklung vom juristischen Neuland, das sie betraten. E-Zigaretten sind nämlich streng genommen keine Raucherprodukte. Die Einnahme geschieht stattdessen durch Verdampfen. Die Flüssigkeit, die beim Einatmen verdampft wird, wird Liquid genannt. Sensoren an dem Gerät erkennen die Atemzüge und aktivieren die Heizelemente. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass zunächst die entsprechenden Antirauchergesetze nicht für die neuartigen Verdampfer galten. Konsumenten dampften unter Rauchen-Verboten-Schildern eifrig drauf los; manche machten sogar in öffentlichen Gebäuden einschließlich in Betrieben weiter.

Entwicklung zur Normalität

Dieser Startbonus ist allerdings im Verschwinden begriffen. Eine gesellschaftliche Diskussion entbrannte und Gesetzgebung und Politik hatten zunehmend Zeit, sich gesetzlich auf die neue Herausforderung einzustellen. Diverse Gesundheitsstudien wurden in Auftrag gegeben, die ein differenziertes Bild zeigten, aber mit der Legende der Unbedenklichkeit aufräumten. Ähnlich wie einst die Geschmacksverstärker bei den Alcopops kamen außerdem die vielfältigen Aromen der E-Zigaretten in Verruf. Auch hier zeigte sich, dass insbesondere Jugendliche diese attraktiv fanden, wodurch ihr Einstieg in das „Laster“ erleichtert wurde. Mit Blick auf die Prognose der Branche könnte sich auch dieser Umstand als problematisch erweisen. Die USA erwägen sogar ein Verbot der Aromastoffe.

Studien: weniger Krebsgefahr, aber stärkere Lungenbelastung

Den wohl größten Einfluss auf die Branchenentwicklung werden die Gesundheitsstudien haben, die sich der gesundheitlichen Aspekte der E-Liquids annehmen. Zwei Schwerpunkte haben sich bei einer Metaanalyse der verschiedenen Studien mit der Zeit herauskristallisiert. Der eine Effekt spricht eher für, der andere gegen E-Liquids:

Die im Vergleich zum klassischen Tabakrauchen wesentlich geringere Krebsgefahr durch das Vapen bestätigt sich immer mehr. In Deutschland ist man diesbezüglich noch vorsichtig und spricht von einer „wahrscheinlich geringeren Krebsgefahr“. Das englische Gesundheitsministerium ist diesbezüglich forscher und kommt nach Auswertung der Studienlage zu dem Schluss, dass E-Zigaretten um 95 % weniger gesundheitsgefährdend als klassische Zigaretten seien. Die Krebsgefahr sei sogar um 99,5 % geringer.

Zwar sind auch E-Liquids nicht gänzlich frei von möglicherweise krebsverursachende Stoffen. Diese sind allerdings deutlich weniger als in herkömmlichen Zigaretten enthalten, bei denen 90 womöglich karzinogene Substanzen ermittelt wurden. Die Hauptgefahr für Krebs, die Verbrennung von Tabak und das damit verbundene Einatmen giftiger Dämpfe, darunter hochgradig aggressiver Stoffe wie Kohlenmonoxid und Teer, existiert bei E-Zigaretten nicht.

Dafür deutet alles darauf hin, dass E-Zigaretten das Bronchialsystem des Menschen noch stärker als klassische Zigaretten belasten. Studien enthüllten, dass schwere Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale, Bronchitis und Emphysemen durch E-Liquids verursacht werden. Die Einatmung der verdampfenden Flüssigkeit, die ihrerseits Giftstoffe wie Prophylenglykol und Glycerin enthält, irritiert die Atemwege, entzündet die Bronchien und sorgt für oxidativen Stress.

Sind E-Liquids ohne Nikotin die Lösung?

All diesen Entwicklungen zum Trotz haben Betreiber von Liquid-Produkten noch ein Ass im Ärmel, mit welchem dem immer wieder vorgetragenen Argument von Kritikern begegnet werden kann, E-Zigaretten seien kein Ausstieg, sondern ein Umstieg von einer Droge zur nächsten. Im Gegensatz zu klassischen Zigaretten sind E-Liquids nämlich dank ihrer Aromen auch ohne Nikotinzusätze attraktiv. Bereits heute werden viele Züge aus den entsprechenden Geräten genossen, die ohne Nikotin auskommen. Insbesondere die Vermarktung und der Betrieb von nikotinfreien E-Liquid-Produkten könnte über Jahre hinweg einen Weg weisen auch bei einer ungünstigen Entwicklung, dass E-Zigaretten in der Zukunft ähnlich restriktiv behandelt werden wie ihre klassischen Vorgänger. Das Problem der starken Belastungen für die Lungen können allerdings auch E-Zigaretten ohne Nikotin nicht lösen.

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