Montag , 8. März 2021
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Sauberer Strom trotz Konjunkturhoch – eine Herausforderung

Die Konjunktur in Deutschland zieht wieder an und besonders die Industrie wird davon in nächster Zukunft profitieren. Doch eben jene Industrie ist zumeist auch sehr energiehungrig. Wie vertragen sich das forcierte Wirtschaftswachstum und der starke Export der deutschen Industrie mit der politisch verordneten Agenda von der klimafreundlichen Energiewende. Es scheint als sei der Spagat zwischen Wachstum der Wirtschaft und Rückgang der konventionellen Stromerzeugung eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre.

Gesamtkonjunktur zieht an

Foto: Pixabay.com

Im aktuellen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland lobt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) das deutliche Plus zu Beginn des Jahres. Sowohl verglichen mit dem Durchschnitt als auch im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum starteten die deutschen Unternehmen gut ins Jahr 2017. Als Grund sieht das DIW vor allem die weltwirtschaftliche Dynamik, die nicht zuletzt durch Schwellenländer wie Indien getragen wird. Doch auch der nationale Beschäftigungsausbau ist ein willkommener Faktor für den Binnenabsatz. Die gestiegenen Beschäftigungszahlen führen zu mehr Geld in der Lohntüte und folglich zu mehr Konsum – erst recht bei der derzeitigen Zinslage. Grund zur Sorge gibt es also für die Wirtschaft insgesamt kaum.

Stromfresser Industrie ist deutsche Speerspitze

Obwohl die Dienstleistungsbranche gegenüber den traditionellen Industriezweigen aufgeholt hat, sind die großen deutschen Industriekonzerne nach wie vor die Triebfeder der hiesigen Ökonomie und auch des Exports. Vor allem Fahrzeuge, Maschinen und Werkzeuge stehen regional, aber auch global nach wie vor ganz oben in der Wertschätzung der Kunden. Ausgerechnet jene Branchen also, die auch über einen ausgeprägten Energiehunger verfügen. Obwohl die energieintensiven Unternehmen über besondere Vergünstigungen beim Strombezug verfügen, ist die Teuerung bei der Bereitstellung von Energie spürbar gestiegen. Sie ist der Hauptgrund für eine vergleichsweise hohe Inflationsrate, die Anfang 2017 auf mehr als 2 % stieg. Vor allem die Drosselung der Fördermenge der OPEC-Staaten ist wiederum der Grund für das teurere Öl und Gas. Wie schön wäre es da doch, den Energiehunger aus regenerativen Quellen stillen zu können. Doch davon ist Deutschland noch weit entfernt und umso mehr die Industrie wächst, umso schwieriger scheint das Unterfangen mit dem Grünstrom zu werden.

Technologie der Stromerzeugung muss Schritt halten

Um den vielzitierten Stromhunger der Industrie zu stillen gibt es im Wesentlichen zwei Ansätze. Einmal gilt es, den Ausbau regenerativer Stromquellen soweit voranzutreiben, dass die teuren Energieimporte aus dem Ausland immer geringer werden. Zudem liegt es an der technologischen Weiterentwicklung, ob der Biostrom auch immer effizienter und günstiger erzeugt werden kann. Der zweite Ansatz betrifft den Stromverbrauch selbst. Hier sind vor allem Hersteller und Entwickler von Stromverbrauchern wie Maschinen und Anlagen gefordert. Immer mehr Anbieter auf dem Stromerzeuger-Markt wie etwa Mittronik bei Lübeck setzen auf immer effizientere Geräte und leisten somit einen Beitrag zur Bekämpfung des Stromhungers. Parallel ist aber auch die Politik gefordert, die so oft es geht jene Technologien fördern sollte, die Effizienz und Ökologie besonders gut vereinen, so wie es beim kürzlich abgelaufenen Förderprogramm für LEDs passiert ist.

Gesamtausbau in Europa geht voran

Eine gute Nachricht noch zum Schluss: Trotz der positiven Konjunkturentwicklung schreitet der Ausbau der klimafreundlichen Stromgewinnung in ganz Europa weiter voran. Wie ein Bericht einer deutsch-britischen Forschungsgruppe auf Grundlage der Informationen der europäischen Netzbetreiber aufzeigte, ging der Ausstoß von Kohlendioxid aus Kraftwerken trotz gestiegenen Verbrauchs um stolze 4,5 % zurück. Der gesamteuropäische Anteil von Ökostrom aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse stieg auf knapp 30% der Gesamterzeugung und bleibt damit deutlich vor Atomstrom und Strom aus Kohle, Öl oder Gas. Interessanterweise gelang es trotz der starken Konjunktur immerhin zwei Ländern – nämlich Deutschland und Italien – den Stromverbrauch trotzdem leicht zu drosseln: ein Beweis für funktionierende Prozesse und Technologien, die die Energieeffizienz steigern. Politisch bleibt die Energiewende in Deutschland unumstritten. Die meisten Bundesbürger und auch die Mehrzahl der Unternehmen haben mittlerweile verstanden, dass Klimaschutz, Wohlstand und Wirtschaftswachstum sich nicht ausschließen müssen.

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