Darum kann es riskant sein, mit falschen Arbeitgebersiegeln zu werben
„Top Arbeitgeber“, „Great Place to Work“, „Charta der Vielfalt“ oder „Mitarbeiterzufriedenheit TÜV Süd“ – sogenannte Gütesiegel für Arbeitgeber sollen potenziellen neuen Arbeitskräften ein eindeutiges Signal geben. In diesem Unternehmen profitieren die Beschäftigten von einer fairen, gleichberechtigten Behandlung. Hier lohnt es sich, sich zu bewerben.
Die Arbeitgebersiegel sollen Vertrauen bilden und Jobsuchende dazu ermutigen, sich genau für diese Firma zu entscheiden. Für Arbeitgeber können sie daher ein wichtiger Faktor bei der Personalsuche sein. Die Versuchung ist dabei groß, sich auch mit weniger nachvollziehbaren oder gar falschen Siegeln zu schmücken.
Jedoch unterschätzen viele von ihnen die Risiken, die mit missverständlichen oder falschen Qualitätssiegeln einhergehen können.
Welchen Nutzen Gütesiegel für Arbeitgeber überhaupt haben
Für 52 Prozent der Betriebe in Deutschland war die Suche nach neuen Arbeits- und Fachkräften im Jahr 2025 relevanter als der konjunkturell bedingte Stellenabbau. Zu dem Ergebnis kam die im zweiten Quartal 2025 veröffentlichte Randstad-ifo-HR-Umfrage unter 1.000 HR-Verantwortlichen in deutschen Personalabteilungen.
49 Prozent der befragten Unternehmen sehen die Verhandlungsmacht im Einstellungsprozess dabei deutlich auf der Bewerberseite.
Daher verwundert es nicht, dass viele Firmen versuchen, möglichst viele Jobsuchende auf die eigenen Qualitäten als Arbeitgeber aufmerksam zu machen. Zu diesem Zweck arbeiten ein großer Teil von ihnen inzwischen mit sogenannten Arbeitgebersiegeln.
Primär dienen Arbeitgebersiegel dem Zweck, die Vorzüge eines Unternehmens sichtbar zu machen und vorrangig aus der Sicht möglicher Bewerber dessen Image zu verbessern.
Folglich sollen die Siegel Betrieben im Wettbewerb um neue Mitarbeiter und qualifizierte Fachkräfte – dem sogenannten „War for Talents“ – einen Vorteil verschaffen.
Hauptsächlich fungieren sie als Qualitätsversprechen für die Arbeitsbedingungen im Unternehmen, die faire Unternehmenskultur sowie die hohe Mitarbeiterzufriedenheit.
- Differenzierung im Wettbewerb: Viele Jobsuchende nutzen die Webseiten von Unternehmen als erste Anlaufstelle, um sich über die Qualität potenzieller neuer Arbeitgeber zu informieren. Aussagekräftige Arbeitgebersiegel können Firmen dabei helfen, sich von der Konkurrenz abzuheben und möglichen Bewerbern in positiver Erinnerung zu bleiben.
- Aufbau von Vertrauen: Gütesiegel signalisieren hohe Standards in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, die Vielfalt oder die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens. Sie können dazu beitragen, das Vertrauen von Bewerbern in den potenziellen neuen Arbeitgeber zu erhöhen.
- Identifikation mit dem Unternehmen: Arbeitgebersiegel können abhängig davon, wofür sie stehen, die Identifikation bestehender Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber steigern. Dadurch tragen sie zu einem positiven Image und der daraus resultierenden Mund-zu-Mund-Propaganda bei.
Zum Teil können Gütesiegel auch zur Selbstreflexion genutzt werden. Das gilt vor allem dann, wenn sie auf Mitarbeiterbefragungen basieren. In diesem Fall helfen sie Arbeitgebern dabei, die Arbeitsplatzkultur realistisch einzuschätzen und gegebenenfalls zu verbessern.
Rechtliche Konsequenzen: Warum irreführende Arbeitgebersiegel gegen das Gesetz verstoßen
Aus Sicht vieler Unternehmen haben die Qualitätssiegel für Arbeitgeber eine hohe Relevanz bei der Suche nach neuen Arbeits- und Fachkräften. Daraus entsteht häufig der Wunsch, die eigene Internetseite mit möglichst vielen dieser Siegel zu schmücken.
Jedoch ist bei der Auswahl der Gütesiegel für Arbeitgeber aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen Vorsicht geboten.
Denn die Verwendung missverständlicher oder nicht nachvollziehbarer Qualitätssiegel kann gesetzeswidrig sein. Handelt es sich um eine unlautere Geschäftspraktik, greift das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG).
Dieses dient im Fall falscher Arbeitgebersiegel nicht nur dem Schutz der Bewerber, sondern auch dem der Mitbewerber – also der Konkurrenz. Gleichzeitig schützt es das Interesse der Allgemeinheit an einem unverfälschten Wettbewerb.
Wer also ein nicht nachvollziehbares Siegel auf der Unternehmenswebsite in der Absicht präsentiert, Mitarbeiter anzuwerben, begeht womöglich eine irreführende geschäftliche Handlung. Ob dies bewusst oder unbewusst geschieht, spielt dabei keine Rolle. Letztendlich sollen unwahre Angaben dabei helfen, neue Arbeits- und Fachkräfte für sich zu gewinnen.
Machen sich Firmen durch die Verwendung irreführender Arbeitgebersiegel des unlauteren Wettbewerbs schuldig, können Abmahnungen und hohe Anwaltskosten drohen.
Warum irreführende Gütesiegel zu einem Reputationsschaden für Unternehmen führen
Die Verwendung irreführender Siegel geht für Unternehmen nicht nur mit rechtlichen Konsequenzen einher. Sie kann ebenfalls zu einem gravierenden Imageschaden führen.
Denn Bewerber werden bei der Suche nach einer neuen Stelle immer kritischer. Bereits im Jahr 2018 war mehr als die Hälfte der Jobsuchenden (63,5 Prozent) skeptisch gegenüber den Aussagen und Botschaften, die Unternehmen als potenzielle Arbeitgeber vermittelten.
Zu dem Ergebnis kam eine Studie im Auftrag von Viasto, in der im Juni 2018 bundesweit 1.004 Bewerber befragt wurden.
Die Studienergebnisse zeigen außerdem: 65 Prozent derer, die der Außendarstellung von Unternehmen skeptisch gegenüberstehen, glaubten, dass Firmen in ihrem eigenen Interesse flunkerten.
Diese Skepsis nahm im Laufe der Zeit nicht ab. Daher stehen viele potenzielle Bewerber auch den präsentierten Arbeitgebersiegeln auf einer Unternehmenswebsite misstrauisch gegenüber. Sehen sie sich in diesem Misstrauen bestätigt, kann das Vertrauen in die Arbeitgebermarke langfristig und sogar auf Dauer sinken.
Die Gefahr eines Vertrauensverlusts erhöht sich ebenfalls, wenn Jobsuchende ein Gütesiegel für wenig aussagekräftig oder gekauft halten. Die Folge: Betroffene Unternehmen können aufgrund eines Bewerbermangels in Personalnot geraten.
Ein möglicher Reputationsverlust nimmt jedoch nicht nur auf die Suche nach neuen Mitarbeitern Einfluss. Er kann auch die Zufriedenheit bestehender Mitarbeiter mindern und dem Unternehmensimage in der breiten Öffentlichkeit schaden. Insbesondere Letzteres kann durch einen Marken-Boykott auch zu sinkenden Umsätzen führen.
Darauf sollte man bei einem Arbeitgebersiegel achten
Als Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist es wichtig, die richtigen Kriterien zu kennen, um die Sinnhaftigkeit, Zulässigkeit und Seriosität eines Arbeitgebersiegels zu bewerten.
Seriöses Vergabeverfahren mit einer validen Datengrundlage: So manches Arbeitgebersiegel wird auf Grundlage von Selbstauskünften des Arbeitgebers oder durch eine Jury festgestellt. Wie genau das gehen soll, bleibt oft im Unklaren. Eine seriöse Datengrundlage kann eine repräsentative Befragung aller Beschäftigten eines Unternehmens sein. Nicht verwechseln mit einer anonymen Internetbewertung auf einer Bewertungsplattform für Arbeitgeber oder eine wie auch immer gestaltete Studie die womöglich nur eine Handvoll Beschäftigter befragt. Die Befragung sollte von qualifizierten Experten durchgeführt und ausgewertet werden. Gerade hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn nicht jeder angeblich Experte hat auch wirklich eine fundierte wissenschaftliche Qualifikation und Erfahrung. Ein kritischer Blick kann an dieser Stelle sehr hilfreich sein.
Transparenten Vergabekriterien und Preisgestaltung: Wie genau ein Arbeitgebersiegel vergeben wird, sollte in Kriterien zur Vergabe des Siegels beschrieben sein. Natürlich kann sich ein Unternehmen auf den Schutz seiner Geschäftsgeheimnisse berufen, aber ein Mindestmaß an Transparenz sollte vorhanden sein, damit man die Sinnhaftigkeit einer Auszeichnung auch bewerten kann. Manche Anbieter wie „Top Arbeitgeber“ veröffentlichen deren Bewertungskriterien und erstellen zu jeder erfolgreichen Zertifizierung eine Ergebnisseite und stellen die repräsentative Mitarbeiterbefragung als Muster öffentlich zur Verfügung. Ein Arbeitgebersiegel sollte immer auf die Methodik, also die Bedingungen für die Vergabe des Gütesiegels, verlinken oder diese umfassend selber erläutern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Arbeitgebersiegel gibt es in Deutschland?
In der Bundesrepublik sind mehr als 180 Gütesiegel für Arbeitgeber gängig, die als Orientierung für Arbeitsbedingungen und Unternehmenskultur dienen sollen. Diese werden von verschiedenen Privatunternehmen vergeben.
Entstehen einem Unternehmen durch Arbeitgebersiegel Kosten?
Werden Qualitätssiegel für Arbeitgeber im Rahmen von Wettbewerben oder unabhängigen Befragungen an Unternehmen vergeben, entstehen dadurch in der Regel Kosten, wenn der Arbeitgeber diese in seiner Personalgewinnung verwenden möchte.
Wie hoch können die Kosten für Arbeitgebersiegel ausfallen?
Fallen für ein Gütesiegel für Arbeitgeber Kosten an, können diese sich abhängig von der Art des Siegels und der Unternehmensgröße unterscheiden. Entscheidend ist dabei meist, wie viele Standorte zu einer Firma gehören und wie viele Mitarbeiter sie beschäftigt. Ebenso gibt es Zertifikate, die unabhängig von der Unternehmensgröße berechnet werden. Die Kosten sind sehr unterschiedlich und können 2490 Euro für 2 Jahre betragen oder laut der WirtschaftsWoche auch bis zu 12.000 Euro betragen.
Warum nutzen vor allem große Firmen die meisten Arbeitgebersiegel?
Bereits 2016 erklärte Softgarden-Geschäftsführer Dominik Faber der WirtschaftsWoche, dass meist nur große Unternehmen über das notwendige Budget verfügen, um mehrere Zertifizierungen und Arbeitgebersiegel zu erhalten.
Zudem suchten laut ihm die Marketing-Abteilungen dieser Firmen gezielt nach solchen Bewertungsmöglichkeiten, um sich vor potenziellen Bewerbern profilieren zu können.
Wann gilt ein Arbeitgebersiegel als irreführend?
Gütesiegel für Arbeitgeber gelten dann als irreführend, wenn sie nicht auf objektiven und nachvollziehbaren Kriterien beruhen. Auch wenn eine Firma die Anforderungen eines Siegels nicht erfüllt, dieses aber dennoch auf der eigenen Website präsentiert, ist von einer Irreführung zu sprechen.




