Donnerstag , 17. September 2020
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Das sollten Airports jetzt tun, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein

Deutsche Flughäfen: Das sollten Airports jetzt tun, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein

Die ansteigenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie drohen den Reiseverkehr nach den Sommerferien erneut lahmzulegen. Besonders betroffen: deutsche Regionalflughäfen, die schon zuvor Schwierigkeiten hatten, operative Gewinne zu erwirtschaften. Eine Erholung prognostiziert die Unternehmensberatung Andersch FTI frühestens ab 2024. Was können und sollten Flughäfen jetzt dennoch tun, um sich für diese Phase langfristig wettbewerbsfähiger aufzustellen? Fünf Handlungsfelder.

„Einigen deutschen mittelgroßen und regionalen Flughäfen steht das Wasser schon jetzt bis zum Hals“, sagt Mike Zöller, Partner bei Andersch FTI und Autor der Studie ‚Ökosystem Flughafen in anhaltenden Turbulenzen‘. „Sie werden es sehr schwer haben, die Coronakrise überhaupt zu überleben. Diejenigen jedoch, die grundsätzliche gesunde Voraussetzungen mitbringen und vor Corona bereits auf einem guten Weg waren, haben die Möglichkeit, sich bereits jetzt auf die Erholungsphase vorzubereiten. Denn eins ist klar: Auch nach 2024 werden vor allem die kleineren Flughäfen in Deutschland vor immensen Herausforderungen stehen.“

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Quelle: ThePixelman / pixabay.com

Andersch FTI hat dazu fünf Handlungsfelder identifiziert, die deutsche Airports jetzt angehen sollten:

  1. Konsequentes Kostenmanagement: Die weiteren Geschäfte sollten nicht linear, sondern auf Basis verschiedener Szenarien geplant werden. Je nach Eintritt dieser Szenarien gilt es Verträge neu zu verhandeln, adäquate Zahlungsziele zu vereinbaren sowie durch (neue) Drittanbieter Wettbewerb unter den Dienstleistern am Flughafen zu schaffen. Radikalere Maßnahmen wären das Schließen eines Terminals oder die kurzfristige Umwidmung, zum Beispiel als Lagerhalle (aktuell hohe Nachfrage am Immobilienmarkt).
  2. Passagierbedürfnisse fokussieren: Wer heute reist, ist für jede Annehmlichkeit und Unterstützung dankbar. Darum sollten die einzelnen Airports genau prüfen, ob sie ihren Kundinnen und Kunden gerade jetzt das bestmögliche Ergebnis liefern können – sowohl was Komfort als auch Sicherheit und Verweilqualität angeht. Wer überwiegend ein spezifisches Klientel, zum Beispiel Touristen oder Geschäftsreisende bedient, sollte den Prozess einer konsequenten Fokussierung auf diese Zielgruppen angehen, deren Bedürfnisse sich vielfach stark unterscheiden. Jeder Kunde, der von einem positiven Erlebnis berichtet, hat nicht nur das Potenzial wiederzukommen: sondern andere ebenfalls zu überzeugen, wieder zu fliegen.
  3. Airline-Kontakte intensivieren: Gerade jetzt, wo die Luftfahrtunternehmen selbst stark betroffen sind, lohnt es sich die Kontakte intensiv auszubauen. Airlines wissen, wie man Transport abwickelt. Aber kennen sie sich in der Region aus? Wissen sie, an welchen Stellen sich Werbung wirklich lohnt? Flughäfen sollten sie noch stärker als bisher mit regionalem Know-how beratend unterstützen, aber auch mit konkreten Angeboten für neue Flugverbindungen: Rabattierungen und Testphasen gehören zum betriebswirtschaftlichen Repertoire. Das ermöglicht in der Krise eine bessere Zusammenarbeit, steigert aber vor allem das Vertrauen für die Phase danach, die ebenfalls schwierig werden wird.
  4. Digitale Projekte umsetzen: Je weniger operativer Betrieb, desto leichter fällt die Einführung digitaler Technologien – denn es kommt zu weniger Unterbrechungen. Digitalisierungsinitiativen sollten jetzt umgesetzt werden: von der Einführung personalisierter Angebote über das Smartphone bis hin zum digitalen Tracking von Gepäck.
  5. Nachhaltige Lösungen anstoßen: Die Frage nach der Relevanz von kleineren und regionalen Flughäfen wird durch Corona noch weiter zunehmen und nicht abebben. Es gilt darum zu überlegen, wie man künftig herausstechen kann. Eine Möglichkeit ist die konsequente Ausrichtung hin zu umweltfreundlichen Maßnahmen: energieeffiziente Gebäude, regenerative Energien, Elektrifizierung von Fahrzeugen.

Wenn die Gewinnzone unerreichbar ist: Regionen müssen sich überlegen, was ihnen der Erhalt ihrer Flug-Infrastruktur wert ist

„Neben der Coronakrise schwebt das Auslaufen staatlicher Unterstützung wie ein Damoklesschwert über der Branche“, sagt Mike Zöller. 2024 laufen die sogenannten EU-Beihilfen für regionale Airports regulär aus, sollte die EU-Kommission trotz der Krisensituation an ihrem derzeitigen Vorhaben festhalten. Für den ‚Lockdown‘ zwischen März und Juni sollen Flughäfen Entschädigungen (‚Bundesrahmenregelung‘) erhalten. „Airport-Chefs sagen uns: Das fängt aber das fortlaufend schleppende Geschäft nicht auf. Wenn es im Herbst eine Reihe weiterer Reisebeschränkungen geben sollte, fürchtet man dieses Mal leer auszugehen. Temporär zu schließen ist auch keine Option: Es war bisher seitens staatlicher Stellen ausdrücklich erwünscht, den Betrieb und die Sicherheit am Laufen zu halten. Die Kosten mussten die Flughäfen selbst tragen“, sagt Zöller. Während der Luftraum großer Airports wie Frankfurt am Main und München durch die Deutsche Flugsicherung staatlich überwacht wird, müssen die Regionalairports diese Kosten bis heute selbst tragen.

„Bei allen Anstrengungen zu einer konsequenteren Ausrichtung des Geschäftsmodells, weiterer Optimierung von Prozessen und Kosten sowie Erneuerungen und Innovationen drohen die aktuellen Entwicklungen im Zusammenspiel mit den auslaufenden oder fehlenden staatlichen Förderungen einigen Flughäfen die langfristige Perspektive zu entziehen“, sagt Mike Zöller. „Tritt ein solcher Fall ein, kann der Erhalt eines Flughafens in einer Region nicht mehr ausschließlich mit betriebswirtschaftlicher Logik begründet werden. Vielmehr gilt es mit allen beteiligten Akteuren auf staatlicher wie privater Ebene zu prüfen, wie relevant ein Standort wirklich ist. Denkbar wären dazu Kommanditeinlagen der kommunalen Wirtschaft, aber genauso eine Weiterförderung mit staatlichen Mitteln. Es kommt auf die Frage an: Was ist es uns Wert, diese Infrastruktur mittel- bis langfristig zu erhalten? Und welche regionalen Stakeholder beteiligen sich an den Kosten? In dem Fall helfen keine rein betriebswirtschaftlich orientierten Restrukturierungsmaßnahmen. Es müssen Sanierungskonzepte auf den Tisch, die alle Beteiligten an den Tisch bekommen und deren Interessenlage harmonisieren.“

Quelle: Andersch AG

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